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Wirtschaft

Verdi-Chef Werneke plädiert für höhere Erbschaftsteuern

Verdi-Chef Frank Werneke fordert eine Reform der Erbschaftsteuer in Deutschland, um soziale Gerechtigkeit zu fördern und den Staatshaushalt zu stärken. Dabei betont er die Notwendigkeit, das Vermögen gerechter zu verteilen.

Laura Schmidt8. Juli 20262 Min. Lesezeit

Es war ein grauer Mittwochmorgen, als ich in einem kleinen Café in Berlin saß und den Kaffee in mein Thermosgefühl eingoss.

Der Lärm der Stadt drang durch das Fenster, und ich konnte die Stimmen der Passanten hören, die sich über die teuren Mieten und das begrenzte Angebot an bezahlbarem Wohnraum beschwerten. Inmitten dieser alltäglichen Klagen hörte ich das Wort „Erbschaftsteuer“, und ich musste schmunzeln. Es ist kaum zu fassen, dass in einem Land, in dem wir ständig über soziale Gerechtigkeit reden, das Thema Erbschaftsteuer wie ein heiliges Tabu behandelt wird.

Frank Werneke, der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, hat kürzlich erneut den Finger in die Wunde gelegt und dafür plädiert, die Erbschaftsteuer zu erhöhen. Ihm zufolge sei es an der Zeit, eine Reform anzustreben, die sowohl den Staatshaushalt stärken als auch die Vermögensverteilung gerechter gestalten könnte. Diese Forderung könnte in der politischen Landschaft auf taube Ohren stoßen, da die Diskussion um Steuern oft schnell emotional wird und die Menschen dazu neigen, sich in ihrer eigenen Betroffenheit zu verlieren.

Doch Wernekes Argumentation ist nicht von der Hand zu weisen. In Zeiten, in denen der soziale Zusammenhalt gefährdet ist, könnte eine Anhebung der Erbschaftsteuer ein Schritt in die richtige Richtung sein. Man könnte meinen, dass es geradezu absurd ist, dass eine Erbschaft, die oft nicht mehr als ein glücklicher Zufall ist, die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderklaffen lässt. In einer Gesellschaft, die sich rühmt, Chancengleichheit zu fördern, ist es doch ironisch, dass die Übertragung von Vermögen oft unverdient ist.

Die Sache ist die: Niemand spricht gern über Geld oder ererbtes Vermögen, als ob das Thema zu schlüpfrig wäre, um es an einem Frühstückstisch zu diskutieren. Doch diese Unsichtbarkeit hat einen Preis. Je mehr wir das Thema von den großen Tischen der Diskussion ausschließen, desto größer wird die Ungleichheit, die sich durch Generationen zieht. Werneke bringt es auf den Punkt: Ein gerechteres Steuersystem könnte nicht nur den Staatshaushalt unterstützen, sondern auch zur Stabilität der Gesellschaft beitragen.

Es wird spannend zu sehen sein, wie die politischen Akteure auf Wernekes Forderung reagieren werden. Zieht sich die Diskussion wieder in die alten Muster zurück, oder sind wir bereit, uns mit den unbequemen Wahrheiten auseinanderzusetzen? Wie auch immer, ein Diskussion über Erbschaften und Steuern bleibt unerlässlich. Schließlich sind wir alle Teil eines Systems, in dem wirtschaftliche Realitäten und soziale Gerechtigkeit miteinander verflochten sind. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Koloss der Ungleichheit ungehindert weiterwächst, während wir in unseren kleinen, geschützten Welten verharren und die Probleme der Gesellschaft an den Rand drängen.

In diesem Sinne habe ich meinen Kaffee ausgetrunken und bin aufgestanden, mit dem leisen Wunsch, dass die Anwaltskanzleien, die sich auf Steuerrecht spezialisiert haben, vielleicht bald weniger zu tun haben werden – immerhin sollte das Erbe der Gerechtigkeit nicht in die Hände der wenigen Reichen fallen.